Man stellt aber leicht fest, daß man innerhalb eines Tages Phasen hoher oder niedriger Leistungsfähigkeit findet, die am nächsten Tag recht regelmäßig wiederkehren. Wenn wir einer sehr regelmäßigen Arbeit nachgehen und gleichbleibende Schlafens- und Essenszeiten (und Mengen) einhalten, dann sind solche Rhythmen ebenfalls recht regelmäßig.
"circadian rhythms"
Man hat schon lange herausgefunden, daß der Tagesrhythmus des Menschen nicht genau 24 Stunden beträgt, sondern etwas mehr. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ist von "circadian rhythms" die Rede, also Rhythmen, die nur ungefähr einen Tag lang sind.
Aber warum? Warum liegen dem Rhythmus nicht genau 24 Stunden zugrunde? Auch bei Tieren werden Rhythmen festgestellt, die bis zu 26 Stunden betragen und noch mehr bei Pflanzen mit einer Spanne von 22 bis 28 Stunden.
Dem Grund für diese Abweichung kam man erst in jüngster Zeit (Hiroaki Daido, Universität Osaka) auf die Spur. Es gibt tatsächlich einen Überlebensvorteil in einem Rhythmus, der sich nicht exakt an der Rotation der Erde orientiert.
Tiere, die täglich zur selben Zeit auf die Jagd gehen oder sonst ein identisches Verhalten zeigen, wären vielen Wettbewerbern ausgesetzt. Es würde sich so etwas wie eine biologische Rush-Hour entwickeln. Wer zu einer nicht ganz optimalen Zeit jagt und dafür weniger Konkurrenten hat, ist bei weniger Stress auf Dauer erfolgreicher. In Computersimulationen starben Arten, die mehr als unbedingt nötig am Tagesrhythmus festhielten, einfach aus.
Es hat sich längst als sinnvoll erwiesen, auch in unseren Unternehmen, wo immer möglich, fest zementierte Pausen und Arbeitszeiten aufzubrechen.
Daraus sollten wir lernen: Zwar soll es oftmals besonderen sozialen Stress auslösen, wenn ein Ehemann zu ungewohnter Zeit nach Hause kommt. Aber in der Regel gilt für jeden von uns persönlich: Wechseln Sie ab. Folgen Sie Ihrem Gefühl und Ihrer Intuition und nicht nur der Uhr. Prüfen Sie Regelmäßigkeiten in Ihrer Arbeit, in Ihrem Umfeld und in Ihrem Verhalten auf so etwas wie unnötige rush hours.
Wie stellt man seinen Biorhythmus fest?
Ein Biorhythmus läßt sich nicht theoretisch berechnen. Uns bleibt nur, uns selbst zu beobachten. Sinnvoll ist, über einen Zeitraum von mehreren Wochen Aufzeichnungen zu machen. Um Selbsttäuschung zu vermeiden, benutzt man für wissenschaftliche Zwecke ein zufallsorientiertes Verfahren: Man stellt ein Wecksignal auf zufällige Zeiten und notiert immer dann, wenn das Signal ertönt, Zeit und Befinden. Dazu benutzt man Gegensatzpaare wie nervös-ruhig, hellwach-müde ... und ordnet sich auf einer Skala in diese Eigenschaften ein. Dieses Verfahren wird auch in der Glücksforschung benutzt.
Man vermeidet es auf diese Weise wenigstens annähernd, sich ein 11-Uhr-Loch oder Verdauungsmüdigkeit zu suggerieren, die garnicht vorliegen. Dieses Verfahren ist also das Mittel der Wahl, wenn eine Selbsteinschätzung sozusagen "aus dem hohlen Bauch" nicht sicher oder genau genug erscheint.
Den Biorhythmus nutzen
Die wichtigste Anwendung ist die Anpassung seiner Tätigkeit an seinen Rhythmus. Häufig kann man z.B. einen klaren Leistungsschwerpunkt morgens oder mittags oder abends feststellen und dann schwierige Verhandlungen oder Aufgaben in solche Zeiten legen. In schwächeren Phasen bringt man vielleicht besser lästigen Kleinkram unter und Routinetätigkeiten.
Durch gezielten Eingriff in seine Gewohnheiten (z.B. weniger, dafür aber öfter essen), gezielte, leistungsorientierte Ernährung oder Bekämpfung von Müdigkeit, können Rhythmen, zumindest in ihren Auswirkungen, auch verändert werden.
Literatur:
Lesen Sie Näheres über leistungsorientierte Ernährung. Eine Fülle guter Tips gegen Schlappheit finden Sie in "Fit Forever".