Schneller denken ...

Brainstorming lehrt uns einen sehr wichtigen Aspekt des linkshirnigen Denkens: Es kommt auf das Tempo an, mit dem wir denken.
Unsere Gedanken stoßen sich gegenseitig an. Denken funktioniert nicht durch "eine übergeordnete Instanz", die sozusagen "Gedanken gezielt aus verschiedenen Schubladen holt". Denken ist ein Prozess fortlaufender Erregung. Ein Gedanke stößt den nächsten an. Durch schnelleres Denken läßt sich dieser Prozess verbessern.
In seinem berühmten Aufsatz "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" hat Heinrich von Kleist untersucht, wie dieser Prozess abläuft. Entgegen der landläufigen Vorstellung "Erst Denken, dann Reden!" verhalten wir uns grundsätzlich so, daß wir einen Satz oder einen Gedanken, wiederum in Form eines Satzes, einfach beginnen. Wir beginnen den Satz sozusagen auf gut Glück, im festen Vertrauen darauf, daß wir ihn, einmal begonnen, auch grammatikalisch korrekt zu Ende bringen.
Tatsächlich ordnen sich die Begriffe und gedanklichen Aspekte erst im Moment des Sprechens. So erstaunlich diese Feststellung klingt, vielen Schulkindern ist sie unbewußt so geläufig, daß sie sich melden, ohne die Antwort zu wissen. Erst im Moment der höchsten gedanklichen Erregung, beim Beginn des Sprechens, entwickelt sich die gewünschte Lösung.
Diese Erkenntnis ist unmittelbar nützlich. Wenn man einen Vortrag hält, beispielsweise, kommt man gelegentlich ins Stocken. Hält man dann an, um zu überlegen, gerät der gedankliche Ablauf durcheinander. Man verliert den Faden. Nur mit Mühe und einer manchmal peinlichen Pause kommt man wieder in den Ablauf hinein. Viel einfacher ist es, einfach weiterzureden.
Nicht nur Politikern fallen ohne Mühe Füllwörter, noch inhaltslose Halbsätze, ganze Floskeln ein, die die gedankliche Erregung wieder in Gang bringen. Der Gedanke wird fortgesetzt. Unbedingt ausprobieren!