
Was wir fühlen ...
Viele Menschen tragen ihr Seelenleben auf ihrem Gesicht offen zur Schau. Jede Gefühlsregung spiegelt sich wider in, oft minimalen, Veränderungen des Gesichts. Pupillen weiten oder verengen sich, Mundwinkel gehen nach oben oder unten, die Augenlider sind mehr oder weniger geschlossen, Falten glätten oder vertiefen sich.
Bei vielen Menschen kann man so schon auf den ersten Blick die Stimmungslage deuten.
Selbstkontrolle
Wer in einem Geschäft mit strahlenden Augen vor einer Stereo-Anlage steht, hat schlechte Karten, wenn er den Preis herunterhandeln möchte. Wer Unsicherheit zeigt, wenn er das Büro des Chefs betritt, hat es schwerer, eine Gehaltserhöhung durchzusetzen.
Wir manipulieren also unser Gesicht. Wir setzen ein Pokerface auf. Niemand soll erkennen, was wir fühlen. Und mit dieser Angewohnheit leidet leider auch unsere Fähigkeit und noch mehr unsere Bereitschaft, die Gefühle anderer wahrzunehmen und zu deuten.

Gefühle anderer wahrnehmen
Mit Erstaunen beobachten wir manchmal, wie genau unsere Kinder mit einem einzigen Blick die Stimmungslage einer Situation erfassen können. Selbst winzige Veränderungen in den Augen werden sicher erfasst.
Kinder beobachten Gesichter genauer als alles andere. Und auch Erwachsene erhalten sich die Fähigkeiten, die daraus erwachsen, nutzen sie jedoch weit weniger.
Die rechte Gehirnhälfte
Unsere Wahrnehmung spielt uns dabei einen erstaunlichen Streich. Wenn wir beispielsweise versuchen, ein Gesicht zu zeichnen (siehe Zeichnen mit der rechten Gehirnhälfte), zeichnen die meisten Menschen Symbole. Die linke, symbol- und sprachorientierte Gehirnhälfte sagt uns, wie eine Nase oder Augen oder ein Mund auszusehen hat, währen die rechte Gehirnhälfte exakt das kopiert, was sie sieht. (siehe auch Konflikt der Gehirnhälften)
Erstaunlich ist nun, zumindest auf den ersten Blick, daß nicht die linke Gehirnhälfte, die doch auch Symbole für "Lächeln" und "Sorgenfalten" speichert, für Emotionen zuständig ist, sondern die rechte Gehirnhälfte. Denken wir genauer darüber nach, dann ist klar: Das aufgesetzte Politikerlächeln, das Symbol, wird sofort durchschaut, wenn die rechte, ganzheitlich und bildorientierte Gehirnhälfte einfach genauer hinsieht.
Die Körpersprache transportiert die Emotionen. Die Kunst des Filmschauspielers besteht darin, mit den Ausdrucksmöglichkeiten seines Gesichts Emotionen an den Zuschauer weitergeben. Der Zuschauer wiederum nimmt den Film mit der rechten Gehirnhälte wahr. Das erklärt nicht nur die entspannende Wirkung eines Kinofilms. Es erklärt auch, warum man, gefesselt von den Leiden und Freuden der handelnden Figuren, logische Fehler völlig ignoriert.
Auch deshalb gehen wir übrigens einem Verkäufer manchmal widerstandslos auf den Leim, wenn er es versteht, mit seinen Minen und Gesten Vertrauen zu wecken und dann das nüchterne Nachdenken über sein Angebot zu kurz kommt.

Lächeln mit der rechten Gehirnhälfte!
Wer denkt "ich will jetzt lächeln", macht den Fehler, den man auch beim Zeichnen macht: Man aktiviert ein Symbol für Lächeln, eine Aktion der linken Gehirnhälfte.
Wer dagegen lächelt, weil ihm danach zumute ist, lächelt nicht nur mit den Zähnen, sondern auch mit Augen, Mund, Stimme und der ganzen Körperhaltung. "Danach zumute sein" ist eine Funktion der rechten Gehirnhälfte.

Emotionale Intelligenz
Zur emotionalen Intelligenz gehören u.a. zwei wichtige Dinge: Gefühle anderer wahrnehmen und richtig darauf reagieren.
Im Idealfall sollten wir genau das fühlen können, was der andere fühlt. Und dann sollten wir es fertigbringen, dem Anderen mit diesen Gefühlen auch zu begegnen.
Beides hat mit der rechten Gehirnhälfte zu tun. Daher ist es auch nicht sinnvoll, hier in Worten aufzuzählen, welche Falten für welche Gefühle stehen. Dazu braucht es dicke Bücher mit vielen Fotos.

Emotionale Intelligenz ist eben wirklich ein eigener Schwerpunktbereich unserer gedanklichen und seelischen Äußerungsmöglichkeiten. Diese Fertigkeiten sind schwer nur in Worte zu kleiden. Bücher über emotionale Intelligenz sind insofern auch nicht als Lehrbücher zu begreifen, sondern als Anleitungen und systematische Anregungen zur Selbsthilfe. Wer Menschen verstehen möchte, muß sich mit Menschen auseinandersetzen und nicht nur mit Büchern.

Körpersprache ist mehr als nur deuten ...
Emotionale Intelligenz, NLP und Körpersprache sind mehr als nur verschiedene Interessengebiete, die sich auch mit Körpersprache beschäftigen. Sie zeigen uns die Vielfalt der Zusammenhänge. Körpersprache deuten, interpretieren, nutzen, vortäuschen, aber vor allem auch richtig beantworten, das ist ein äußerst wichtiges Kapitel unserer eigenen Persönlichkeitsentwicklung.
Lernen Sie, mit der rechten Gehirnhälfte zu lächeln...