mehr Erfolg mit meineZIELE!


Ressourcen optimal nutzen

Ressourcen optimal nutzen

Strategie ist die Lehre vom wirkungsvollsten Kräfteeinsatz. Strategische Überlegungen beginnen daher mit einer Übersicht über eben diese Kräfte. Oder, um in der militärischen Sprache der Strategen zu bleiben: Strategie beginnt mit der Heerschau.

Alle Kräfte nutzbar machen

Welche Mittel und Fähigkeiten stehen zur Verfügung? Welche sind bisher ungenutzt? Worauf kann man sich verlassen und worauf nicht? Auch wenn so etwas wie eine Heerschau in den meisten Strategiebüchern gleich garnicht betrachtet wird, so ist sie doch gerade in der persönlichen Strategie eine wichtige Sache. Sie ist Teil der Standortbestimmung und eine wichtige Ideenquelle.

Natürlich wird man in keinem Unternehmen die Mitarbeiter zur Begutachtung auf dem Hof versammeln. Aber genauso absurd ist die Vorstellung, ein Blick in die Bilanz des Unternehmens könnte eine vollständige Übersicht über seine Ressourcen geben. Und aus dem Blättern in den persönlichen Kontoauszügen kann auch der einzelne Mensch den Umfang seiner Mittel nicht erkennen.

Unsere erste Frage wird also sein:

Was gehört noch alles zu den Ressourcen?

Geld ist eine ganz besondere Ressource. Sie kann schnell und leicht in andere Kräfte und Hilfsmittel getauscht werden. Aber natürlich gibt es da noch mehr: Vielleicht denkt man zuerst an materielle Ressourcen: Das Warenlager, Maschinen, Gebäude, Fuhrpark. Dann aber wird man großmütig zugeben, dass es ja die Menschen sind, welche die wichtigste Ressource darstellen: Fleiß, Kenntnisse, Ehrlichkeit und vieles mehr kann man wirtschaftlich ertragreich einsetzen.

Ressourcen nutzenIhre persönlichen Ressourcen wie Mut und Tatkraft, Gesundheit, Kenntnisse und Fähigkeiten oder Ihre emotionale Intelligenz, sind außerordentlich vielfältig. Nicht jede kann man einfach so einer ertragreichen Verwendung zuführen. Aber auf die Liste gehören sie allemal.

Und natürlich gibt es abstraktere Dinge: Die Organisation eines Unternehmens selbst, die Verfügbarkeit einer funktionierenden Kommandostruktur. Oder denken Sie an Bekanntheit, Vertrauen, Rechtsansprüche und Patente. Wer schließlich ein paar Schritte weiter ist und ein paar Ladenhüter entsorgt hat, wird nicht nur ein paar Euro vom Altmetallhändler als Ertrag haben. Er wird erkennen: Auch freie Lagerplätze kann man als Ressource betrachten.

Gründliches Nachdenken führt zu einer langen Liste. Das muss sein. Klar ist aber, dass einzelne Punkte dieser langen Liste interessanter sind als andere. Gut ausgelastete Maschinen erfordern erst dann eine strategische Entscheidung, wenn sie zum Engpass werden. Wirklich interessant sind Ressourcen, die ungenutzt bleiben oder verschwendet werden. Und natürlich gefährdete und gleichzeitig unersetzliche Ressourcen: Die Verletzung des Spielmachers verdirbt einer Fußballmannschaft vielleicht die ganze Saison.

Setzen Sie auch fremde Ressourcen auf Ihre Liste, wenn Sie Zugriff darauf haben: Wer sein Unternehmen attraktiv aussehen lässt, kann die Geldmittel risikofreudiger Investoren erschließen. Hannibal war nicht nur gefährlich durch das Heer, das er über die Alpen mitbrachte. Er entfesselte die Wut unterdrückter Völker und brachte Rom damit an den Rand der Niederlage. Banken spekulieren heute nicht mehr mit dem Geld Ihrer Aktionäre, sondern mit dem Geld der Notenbanken und der Steuerzahler.

Ob man eine Ressource auf seine Liste setzt oder nicht, hängt nicht davon ab, ob man sie selbst besitzt. Es geht darum, dass man sie einsetzen kann. Es geht darum, ob man Kreditwürdigkeit oder Macht besitzt.

Was gegenwärtig auf einer Ressourcenübersicht nichts zu suchen hat, sind glücklicherweise alle Arten von potentieller Nutzung unter Wert, "Notwirtschaft" und Ersatzstoffe aller Art. Das heißt aber keineswegs, dass man nicht einen vorhandenen Wert ganz anders nutzen könnte, als vorgesehen. "Vollmotorisierte Einheiten hungern schneller, weil sie ihre Zugpferde nicht essen können", um eine Erkenntnis aus der leidvollen Kriegsgeschichte zu zitieren.

Welche Ressourcen liegen brach?

Man denkt bei brachliegenden Ressourcen vielleicht an Maschinen, die nicht ausgelastet sind. Vielleicht könnte man Lohnaufträge für Andere damit ausführen. Oder man denkt an Ladenhüter, aus denen wenigstens noch ein Schleuderpreis zu holen sein könnte.

Sympathischer sind uns allerdings die "guten Ideen". Ein seit sechzig Jahren stillgelegter, wertloser Steinbruch im Wald, der plötzlich zur romantischen Kulisse eines Hochseilgartens wird. Oder schrottreife Gerätschaften, die über Ebay zu wertvollen Sammlerstücken werden.

Oder nutzen Sie etwa alle im Unternehmen verfügbaren Sprachkenntnisse? Wissen Sie überhaupt, wer welche Sprachen spricht? Wissen Sie, wer welche Spezialkenntnisse hat?

Besonders interessant sind manchmal gerade diejenigen Ressourcen, die man gar nicht kennt oder längst vergessen hat.

Sind Ihre Ressourcen gut genutzt?

Natürlich kann man Ressourcen auch unterschiedlich gut nutzen. Mit einiger Betroffenheit, sonst würde ich mich nach über dreißig Jahren nicht mehr daran erinnern, las ich als Jugendlicher in Paul Carells "Unternehmen Barbarossa" über ein Ereignis des zweiten Weltkriegs: Da wurden eines Morgens in einem Akt sinnloser Verzweiflung tausende russische Kavalleristen mit blankem Säbel gegen deutsche Maschinengewehre in den sicheren Tod gehetzt, ohne dass ein einziger deutscher Soldat zu Schaden gekommen wäre. Da mag sich jemand eingeredet haben, er hätte "wertvolle zwei Stunden gewonnen". Trotzdem hat das Ereignis nicht nur seine bestürzende menschliche Seite. Es ist auch ein extremes Beispiel für die Verschwendung einer wertvollen Ressource. Ein kluger Kommandeur hätte wahrscheinlich eine bessere Lösung gefunden.

Wie muss man seine Mittel bewerten und ordnen, wenn man den bestmöglichen praktischen Nutzen daraus ziehen will? Also Ungenutztes nutzen und schlecht Genutztes besser nutzen?

Ein ganz praktisches Beispiel lieferte im Mai 2010 ein Unwetter mit Millionenschaden an den Erdbeerkulturen der Ortenau. Viele Obstbauern hatten Hagelschutznetze zuhause bereitliegen, aber so früh im Jahr einfach noch nicht mit Hagel gerechnet.

Einmaliges und Andauerndes unterscheiden

Es tut einem in der Seele weh, wenn man sieht, wie frisch angelieferte Coils beim Altmetall landen, nur weil man bei der Stilllegung einer Produktlinie vergessen hat, dem Einkauf rechtzeitig Bescheid zu geben. Und doch kann über Jahre eine hundertfache Verschwendung unbemerkt geblieben sein, wenn der Verschnitt bei der Produktion nicht optimiert wurde.

Wir müssen also auch unterscheiden, ob eine einmalig verfügbare Ressource vorliegt oder ob wir gerade einen sich ständig wiederholenden Prozess betrachten, der eine Ressource nicht optimal nutzt.

Tempo

Diese Abhandlung ist nicht zur Belehrung von Regierungen und Weltkonzernen gedacht. Es geht um Ihre persönliche Strategie als einzelner Mensch und um die Strategie überschaubarer Unternehmen. Dann wird schnell klar, dass die Nutzung von Ressourcen oft auch eine Frage des Tempos ist.

Zu den ersten Amtshandlungen eines Insolvenzverwalters gehört es zum Beispiel, einen Mahnlauf anzuordnen: Möglichst schnell ein wenig Liquidität aus der "Ressource offene Forderungen" zu schöpfen. Viele Nutzungsmöglichkeiten scheiden aus, wenn sie im gegebenen Zeitrahmen nicht mehr wirksam werden. Unsere Betrachtung muss also auch die Frage beantworten: Gibt es einen schnellen Weg zur Nutzung?

Wie geht man praktisch vor?

Wie muss die "Heerschau" eines Unternehmens oder einer Einzelperson aussehen?

Strategische Überlegungen nutzen nur etwas, wenn man sie umsetzt. Packen Sie es also ganz konkret an. Erstellen Sie eine Liste aller nennenswerten Ressourcen, die Ihnen zu Gebote stehen. Ordnen, gliedern und bewerten Sie diese Liste. Und dann legen Sie fest, was Sie tun möchten.

Schritt 1 Ihrer Heerschau wird also sein, eine grobe Gliederung zu erstellen. Also noch nicht die Frage: "Was ist da?" oder "Was ist es wert?", sondern "In welche Bereiche gliedern sich meine Mittel, Kräfte und Reserven?"

 

Ressourcen Grobgliederung (mit meineZIELE)

Schritt 2 besteht darin, die nennenswerten Details aufzulisten

Egal, ob Sie die Ressourcen einer ganzen Fabrikanlage untersuchen oder "nur" persönliche Ressourcen: Gehen Sie gründlich vor. Die alten Römer trieben ihre Gründlichkeit so weit, dass zum Zeitpunkt der jährlichen Heerschau auf dem Marsfeld kein einziger wehrfähiger Mann mehr innerhalb der Stadttore war und diese hätte verteidigen können. Doch präzise Informationen ermöglichten dann auch klare, sachliche Entscheidungen.

Gliedern Sie, wo immer nötig, die einzelnen Bereiche weiter auf. Ersparen Sie sich aber die detaillierte Wiederholung gleichartiger Dinge. Während man für eine Inventur jedes werthaltige Produkt einzeln aufzählen muss, braucht man für die strategische Heerschau so etwas wie eine optimale Gliederungstiefe für einen optimalen Level an Übersicht. Die obige Grundgliederung entwickelt sich dadurch weiter:

Ressourcengliederung (mit meineZIELE)

Schritt 3 ist die Kennzeichnung der einzelnen Ressourcen nach Wert, Verwendbarkeit, Verwertbarkeit oder Umfang der Verschwendung. Überarbeitete, frustrierte und urlaubsreife Mitarbeiter leisten weniger als frische, motivierte Leute. (Die Römer haben es fertiggebracht, gegen Hannibal eine Schlacht unter anderem deshalb zu verlieren, weil Sie es in der Eile versäumt hatten, zu frühstücken und wohlvorbereitet anzutreten.)

Geld kann flüssig sein, oder auch langfristig gebunden. Normteile können beim Verkauf einen hohen Preis erzielen, Sonderteile nur Schrottwert. Sprachkenntnisse können völlig wertlos oder eine Schlüsselressource sein, je nach Situation. Physische Ressourcen wie Warenlager sind durchaus nicht immer wert, was in der Bilanz steht. Manche Ladenhüter können sogar erheblichen negativen Wert haben, z.B. durch Feuer- und Umweltrisiken. Entscheiden Sie also, nach welchen Kriterien Sie Ihre Ressourcen betrachten möchten und nehmen Sie Kennzeichnungen vor. (In der Praxis kommt es hauptsächlich darauf an, einfach nur Denkprozesse in Gang zu setzen.)

Ressourcen bewerten und kennzeichnen

Schritt 4 ist der Schritt zur Tat. Während eine Heerschau lieber nicht gleich in einen Krieg münden sollte, kann und kann Ihre persönliche oder geschäftliche Ressourcen-Schau doch schnell Taten zur Folge haben: Ressourcen besser nutzen, absichern oder veräußern. Was auch immer sich an Aufgaben ergibt, sollte nicht in der Schublade verschwinden.

Ressourcen-Schau: Maßnahmen ergreifen

Ideal ist dazu natürlich die Nutzung eines Instrumentes wie meineZIELE: Aufgaben entstehen unmittelbar aus der Erkenntnis, werden per Mausklick aktiviert und erscheinen sofort auf Ihrer Agenda.

Der Wert der Ressourcenschau liegt aber nicht nur in der Mobilisierung von Mitteln und Kräften. Strategie, insbesondere persönliche Strategie, ist eine Bewusstseinssache. Seine Ressourcen zu kennen, zu wissen, was davon brachliegt, was wichtig und unwichtig ist, ist ein weiterer Baustein, der uns hilft, bewusster mit Strategie umzugehen und im entscheidenden Augenblick die besseren Entscheidungen zu treffen.