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Es sind die Extremfälle, die der Kreativitat am meisten schaden: Oft haben Sie keine Zeit für ein ausreichend langes Verweilen bei einer Aufgabe. Dann gewähren Sie Ihrer Intuition nicht den nötigen Freiraum. Oder Sie befassen sich zu lange am Stück mit ein und derselben Aufgabe. Eine Art von geistiger Blindheit setzt ein, die uns in vorgegebene Denkbahnen zwingt. Unsere Kreativität braucht Phasen der Informationsaufnahme und der Verarbeitung, bevor ein echter Schöpfungsprozeß zustande kommen kann. Die Verarbeitung von Informationen ...
Es gibt sogar eine kreativitatsfördernde Technik, bei der man sich kurz vor dem abendlichen Einschlafen nochmals intensiv mit einem vorliegenden Problem beschäftigt und - gelegentlich erfolgreich - darauf hofft, die nächtliche, traumhafte Verarbeitung könnte eine Lösung bringen. Kreativitat ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Denkvorgänge. An dieser Stelle sprechen wir im wesentlichen von Denkprozessen, die man auch Ideenfindung nennen könnte. Das ist aber nur einer von vielen Aspekten kreativen Denkens. Auch z.B. die speziellen Denkvorgänge des Programmierens ziehen Gewinn aus einem Bewußtseinszustand, den man in mancherlei Hinsicht durchaus als traumhaft bezeichnen könnte. Programmieren z.B. ist ein permanenter kreativer Prozeß. Die Dominanz der rechten Gehirnhemisphäre beim Programmieren ist aus eben diesem Grunde so produktivitätsfördernd. Als Halbschlaf kann man diesen Zustand allerdings nicht bezeichnen. siehe auch Superprogramming Der Dämmerzustand, ...... in dem sich Kekulé befand, als seine geniale Idee zustande kam, ist durchaus bezeichnend für die Geburtsstunde vieler großer Ideen. Es ist die Zeit, in der die linke Gehirnhälfte tiefer schläft als die rechte. Es ist die Zeit der Bilder, die dann die Freiheit haben, neue, phantastische Verbindungen miteinander einzugehen. Doch nur, wenn die linke, logisch ordnende Gehirnhälfte bereitsteht, eine vorgelegte Idee auch aufzugreifen und zu verwerten, wird aus verwirrenden Vorstellungen schließlich ein praktisch brauchbares Ergebnis. Diese fruchtbare Zusammenarbeit verschiedener Bereiche unseres Gehirns macht unsere Kreativität aus. Mit Träumen allein ist es nicht getan. So sagte damals auch Kekulé, er habe den Rest der Nacht mit der Ausarbeitung von Konsequenzen seiner Hypothese zugebracht. Hat Kekulé gelogen? Der Bericht Kekulés könnte also wahr sein. Dennoch stößt man beim näheren Hinsehen auf gravierende Ungereimtheiten in dieser schönen und vielzitierten Legende. Der Chemiehistoriker Meinel beispielsweise äußert erhebliche Zweifel an ihrem Wahrheitsgehalt. Die lange Zeitspanne von der Entdeckung bis zum Bekanntwerden des Traumes nährt seine Zweifel ebenso wie die Abneigung des Forschers Kekulé gegen den betriebenen Geniekult und gegen die Vertreter der Industrie und der patriarchalischen Berliner Gesellschaft.
Ausgerechnet solchen Leuten nach so vielen Jahren als ersten seine phantastische Geschichte zu erzählen, scheint etwas absurd. Meinel listet eine ganze Reihe stichhaltiger Argumente auf. So vermutet er wahrscheinlich zurecht, daß Kekulés Vision ein Schelmenstreich war, einzig mit dem Ziel, die immer wiederkehrende Frage nach dem Hergang seiner Entdeckung ein für alle Male journalistengerecht zu beantworten. Der Wahrheitsgehalt der Geschichte tut aber letztendlich nichts zur Sache. Wenn der Traum Kekulés eine Erfindung ist, dann doch wenigstens eine gute Erfindung. Sie bestätigt erst recht die kreative Kraft dieses berühmten Mannes.
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