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Durch "Opfer" kann man Tempo gewinnen. Aber auch ein solches Opfer muss ein gutes Geschäft sein. Das gewonnene Tempo muss den Wert des Opfers übersteigen. |
Der Schachspieler kann oftmals Tempo gewinnen, indem er seine Stellung einfach hält. Man spricht von "gefesselten Figuren", wenn in dem Geflecht gegenseitiger Deckung immer mehr Figuren nicht mehr ohne Gefährdung der ganzen Stellung bewegt werden können. Eine kunstvoll aufgebaute Stellung kann lähmende Wirkung haben. Dann hat Stellung nur noch mit Stehen und nicht mehr mit Bewegen zu tun.
Lähmende Komplexität findet man auch in der Wirtschaft. Da sitzt bei einem Unternehmen der Verkaufsleiter in der Europazentrale in Paris, das Rechenzentrum ist bei einem Schwesterunternehmen in London, das Geld liegt im Cash-Pool bei einer amerikanischen Bank, der Mail-Server steht wieder bei einem anderen Unternehmen, Material muss zentral eingekauft werden, um ja keinen Rabatt zu versäumen, Direktkontakte zum Kunden gibt man auf, um z.B. Aktivitäten in Asien bei der Konzernniederlassung in Calcutta zu bündeln...
Es ist schwer, ein solches Unternehmen zu verändern, zu verkaufen, neu auszurichten, eben am Markt wieder einmal neu in Stellung zu bringen.
Lernen wir daraus: Oft ist einfacher besser.
Ein Schachspieler muss nicht haarklein die nächsten zwölf Züge vorausplanen, um gut zu spielen. Aber er muss seine Richtung kennen, einzelne Vorhaben realisieren und einen Angriff systematisch aufbauen.
Ganz im Gegensatz dazu steht die abwartende Spielweise. Ganz vorsichtig aufbauen. Erst mal sehen, was der Gegner tut. Reagieren statt Agieren. Die fatale Folge dieser Spielweise ist oft ebenfalls ein dramatischer Tempoverlust. Wenn man die Pläne des Gegners erkennt, ist es vielleicht schon zu spät.
Auch diese Beobachtung machen wir im wirklichen Leben in gleicher Weise: Abwarten bedeutet Wartezeiten. Klare Ziele machen Tempo. (Nutzen Sie
)
Das Tempo im Schachspiel kann sich dramatisch verschieben, wenn ein Spieler zu früh seine Dame ins Spiel bringt. Sie ist die wertvollste Figur. Sie zieht Aufmerksamkeit auf sich, wird angegriffen und muss dann permanent geschützt oder aus der Angriffslinie gezogen werden.
Auch hierzu kann man viele Parallelen im praktischen Leben ziehen: Projekte, die zu früh begonnen zu viele Resourcen verzehren, ohne entsprechenden Nutzen zu bringen. Aber auch der Vorgesetzte, der viel zu viele Dinge selbst erledigen will und schließlich in den Details hängenbleibt.
Ein Unternehmen, das zu viele Dinge selbst leisten will, verzettelt sich und wird langsam. Outsourcing und Kooperationen sind einerseits ein Verzicht auf eigene Wertschöpfung. Andererseits machen sie schlanker und beweglicher.
Natürlich können wir nicht nur vom Schachspiel lernen. Im praktischen Leben gibt es manchmal Abkürzungen, die uns schneller machen. Gehen im Gleichschritt ist seit Jahrtausenden die beste Methode, um schnell und auf engstem Raum eine große Zahl von Soldaten von A nach B zu bewegen. So macht auch eine einfache, rhythmische Verzahnung mit Lieferanten und Kunden schneller. Eine Investition in die Verwaltung bringt weniger Tempo als eine Investition in ein Team...
Strategie ist nicht nur die richtige Entscheidung, sondern auch das richtige Tempo. Auch Alexander der Große und Napoleon haben vieles falsch gemacht. Aber sie haben es so schnell gemacht, dass es doch wieder richtig war.
Das richtige Tempo ist außerordentlich wichtig. Interessant ist, dass ein höheres Tempo im praktischen Leben keineswegs mehr Hektik und mehr Stress bedeuten muss. Schnelle Unternehmen laufen oft ruhiger als langsame Unternehmen. Fahren Sie nicht schneller, sondern Abkürzungen. Arbeiten Sie nicht schneller, sondern oranisieren Sie weniger Wartezeiten. Suchen Sie den Weg zu mehr Tempo bei weniger Aufwand!
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