Der Fluch des Zeitmanagement
Dieser einfache Sachverhalt ist die Basis der beträchtlichen Erfolge, die man durch Zeitmanagement erreichen kann. Doch zugleich ist es auch die Basis dessen, was man als "Fluch des Zeitmanagement" bezeichnen könnte: Commitment auf die immer kleineren Teilziele des Alltags, das Eilige, Kurzfristige, eigentlich Unwichtige, und daraus folgend immer noch mehr Verzettelung und noch mehr Überstunden. Die Kleinigkeiten werden erledigt, die großen Dinge bleiben auf der Strecke. Das ist es, was häufig aus Zeitmanagement entsteht, wenn man nicht lernt, die großen Ziele in den Vordergrund zu stellen.
Was fördert diesen Fluch?
Wenn wir durch Niederschreiben von Zielen ein Commitment eingehen, dann spielt es eine recht geringe Rolle, ob die Ziele groß oder klein sind. Haben wir erst einmal 35 Punkte für den heutigen Tag sorgfältig und mit blauer Tinte zu Papier gebracht, dann sind das 35 Verpflichtungen. Ein, zwei größere Monatsziele gehen in diesen vielen Punkten einfach unter. Und da diese auch noch allesamt eilig und leichter erreichbar sind, fühlen wir uns diesen kurzfristigen Commitments auch noch stärker verpflichtet als den längerfristigen, noch ohne Zeitdruck dastehenden Verpflichtungen.
Und das ist es auch, was wir immer wieder beobachten: Menschen, die Ihre Zeitplanbücher füllen und eine immense Menge von Punkten abarbeiten, häufig sogenannte Quick Wins. Und doch sind die Auswirkungen manchmal ähnlich denen von Aufschieberitis: Die Kleinigkeiten sind erledigt, die großen Ziele bleiben in weiter Ferne.
Was können wir im praktischen Leben tun, um nicht ständig in diese Falle zu tappen?
Verwenden Sie ein möglichst kleinformatiges Zeitplanbuch. Beschränken Sie sich. Schreiben Sie nicht jede Kleinigkeit auf: Spickzettel-Effekt.
Verwenden Sie keinen einfachen Kalender als Zeitplanbuch. Dort bleibt gar kein Platz für die großen Ziele.
Verwenden Sie für Kleinigkeiten nur Stichworte
verwenden Sie für mittlere Ziele klare Zielformulierungen, schreiben Sie hier auf, was Sie tun müssen und was Sie erreichen wollen
verwenden Sie bei großen Zielen die weiter unten dargestellten Verfahren.
Seien Sie besonders vorsichtig beim Vortrag auf den nächsten Tag: Oft schleppen wir Aufgaben tagelang mit. Prüfen Sie immer von Neuem, ob es sich wirklich um etwas Wichtiges handelt.
Nutzen Sie die Anfänge von Woche, Monat oder Quartal immer von Neuem zur Orientierung auf die längerfristigen Ziele
Planen Sie schriftlich Ihre langfristigen Ziele (nach Jahr, Quartal, Monat etc oder, noch besser, nach Rollen)
Was genau aufschreiben?
Wenn wir der Wirkungsweise unserer Zielformulierungen auf den Grund gehen, dann stellen wir fest: Wir brauchen einerseits eine aktive Rolle für uns selbst. Erfolg ist, wenn durch Denken, Planen und Handeln das eintritt, was wir wollen. Das Denken, Planen und Handeln gehört immer dazu. Wenn Sie festhalten, wie Sie handeln möchten, dann stützen Sie sich nicht in erster Linie auf das, was andere tun müssen. Als "Ich beauftrage Frau Müller ..." ist besser als "Frau Müller erledigt ..." Andererseits brauchen wir ein Ziel, das sozusagen als Leuchtturm aus der näheren oder ferneren, ansonsten dunklen Zukunft ragt. Wir brauchen einen "Endzustand", auf den hin wir unsere Gedanken und unser Handeln richten können.
Die ideale Zielformulierung verbindet beides. Wir sagen also: "Ich will um 10 Uhr Dr. Pauls anrufen, über den Linzenzvertrag sprechen und meinen Preis und meine Laufzeitvorstellung durchsetzen."
Bekanntlich sind wir Menschen verschieden. Manche neigen zu Aufschieben und Abwarten, benötigen also eher den Handlungsteil der Zielvorgabe. Andere haben schon den dritten Fehlversuch hinter sich, bis der erste seinen Plan auf dem Papier hat. Hier reicht selbstverständlich die Formulierung des eigentlichen Ziels: Was ist bis wann zu erreichen?
Je genauer wir auf eine "ideale Zielformulierung" hinarbeiten, desto mehr schreiben wir, desto mehr verpflichten wir uns auch wieder auf diese Formulierung. Hier hilft wiederum die Betonung der Wichtigkeit. Ein sinnvolles Verfahren könnte z.B. so aussehen: Nur das wichtigste Tagesziel wird in drei Zeilen mit Aktion und Endzustand niedergeschrieben. Die beiden nächstwichtigen Punkte erhalten maximal zwei Zeilen und alles Weitere maximal ein einziges Stichwort. Probieren Sie auch das einmal aus. Aber bleiben Sie flexibel.