Benchmarking ...
Ein gesundes Feindbild,
so hat man herausgefunden, zählt zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren eines Unternehmens. Gesund ist daran, wenn man von den Stärken der Wettbewerber lernt. Benchmarking ist mehr als ein Modethema. Es liefert eine ausgezeichnete Grundlage für Engpass-Analysen.
Wer
sich mit anderen Unternehmen
oder Personen vergleicht, findet
heraus, wo Stärken und Schwächen
liegen. Wenn jemand etwas mit
deutlich weniger Aufwand oder
mit deutlich besserem Ergebnis
kann, dann ist das ein guter
Punkt zum Nachdenken,
Hinzulernen und Verbessern.
Wie findet man Wasserköpfe?
Warum braucht das eine Unternehmen 10 Personen in der Buchhaltung und das andere nur 5 ? Mit solchen Fragen versuchen wir, überbesetzte Abteilungen zu identifizieren und Personal einzusparen.
Häufig geht das allerdings schief. Die 10 Personen haben andere Voraussetzungen, andere Bildungsstände, andere Arbeitsvolumina, andere Mittel und vieles andere mehr, was den Vergleich erschwert. Die Lösung des Problems: Genauer nachfragen und nicht nur zwei, sondern viele Unternehmen zum Vergleich heranziehen. Das ist Benchmarking.
Vergleichen
Sie immer nur funktionierende
Strukturen. Wenn ein anderes
Unternehmen an einer Stelle mit
weniger Personal auskommt, die
gewünschte Leistung aber nicht
bringt, nützt der Vergleich
nichts. Die Wasserköpfe findet
man nicht nur da, wo viel
Personal gebraucht wird, sondern
wo auch gleichzeitig die
Leistung nicht stimmt,
Innovationswiderstände hoch und
Reaktionsgeschwindigkeiten
niedrig sind. Das sind Zeichen,
dass Personal Zeit und Muße
findet, sich mit sich selbst zu
beschäftigen.
Wie funktioniert Benchmarking?
Vergleiche zielen nicht nur auf Mitarbeiterzahlen ab, sondern auch auf Kosten und Erträge. Beim Benchmarking setzt man daher auf mehrere Datenkomplexe. Analysiert man ein Unternehmen oder, was sinnvoller ist, Unternehmensbereiche, dann teilt man zunächst den Bereich in seine Geschäftsprozesse auf. (Beispiel: Bereich Finanzen enthält z.B. Geschäftsprozeß Zahlungsverkehr mit Lieferanten)
Für jeden Geschäftsprozeß ermittelt man die verfügbaren Mittel (z.B. Umfang, Art, Alter der benutzten EDV-Systeme). Zweitens wird funktionell abgegrenzt, welche Funktionen im speziellen Fall dieses Unternehmens besonders ausgeprägt sind oder welche vielleicht ganz wegfallen. Man ermittelt Besonderheiten und die Leistungstiefe. Drittens schließlich werden natürlich die Volumen-Angaben benötigt (z.B. wieviele Zahlungen im Jahr, wieviele Kunden, Lieferanten ...)
Mittels einer Kosten- oder Personenmatrix wird nun aufgeschlüsselt, welche Personen einzelne Prozesse bearbeiten oder welche Kosten (z.B. durch Externe) dafür anfallen.
Neben diesen Geschäftsprozess-orientierten Daten werden natürlich auch Umsatz- bzw Personal-bezogene Daten verglichen (z.B. Ausbildungsstand, Berufserfahrung, verbrachte Zeit in dieser Position, etc). Mit der Gesamtmenge dieser Daten läßt sich nun relativ genau bestimmen, wie es um die Leistungsfähigkeit eines Unternehmensbereiches steht, verglichen mit anderen Unternehmen vielleicht des gleichen Konzerns, der gleichen Branche etc.
Wo liegen Probleme?
In der Praxis erweist sich Benchmarking als durchaus problematisch. Hier einige Gründe:
- Diese Datensammlung ist sehr umfangreich. Sie wird zwangsläufig von Menschen erstellt mit fundierten Detailkenntnissen, von Menschen also, die Beteiligte und damit Befangene sind.
- Ein Benchmark kann nicht alle Fragen stellen. Manchmal fehlt die Entscheidende! Treffen Sie niemals folgenreiche Entscheidungen alleine aufgrund dieses Zahlenmaterials.
- Im Bereich kleiner Zahlen, (z.B. Abteilungen mit nur 5 Personen) werden Sicherheits-Overheads benötigt
- Benchmarks betrachten häufig nur ein momentanes Bild und berücksichtigen Entwicklungen, starkes Wachstum oder Rückgänge unzureichend.
- Internationale Benchmarks wurden z.B. für die USA entwickelt und berücksichtigen zu wenig kulturelle, gesetzliche etc Unterschiede.
- Es entsteht Rechtfertigungsdruck, der die Suche nach Engpässe in falsche Richtungen lenken kann
- Benchmarking ist ein Steckenpferd der Unternehmensberater. Deshalb ist manchmal die Generierung neuer Probleme wichtiger als einfache Erkenntnisse und deren Umsetzung ...
Typische Negativ-Beispiele:
Ein Benchmark für die Durchlaufgeschwindigkeit ergibt: Zwei kleine Konzern-Tochtergesellschaften in Spanien und Norwegen sind weitestgehend vergleichbar. Beide produzieren nicht, sondern liefern (nach einer kleinen Endmontage) Waren aus einem Auslieferungslager an die Kunden. Beide Unternehmen erzielen die gleiche Liefergeschwindigkeit mit unterschiedlichen Personenzahlen in der Versandabwicklung.
Kein Manager kannte im Detail beide Unternehmen. Am grünen Tisch wurde entschieden, die Norweger zu Personalabbau aufzufordern. Nach ärgerlichen und emotional geprägten Diskussionen fand man Wochen später eine Erkenntnis, die beim Benchmarking durch die externe Beratung garnicht erfragt wurde: Das spanische Unternehmen erzielt seine Leistung nur 11 Monate im Jahr und hat im August geschlossen ... Außerdem hatten die Spanier ihre Reklamationszahlen so stark manipuliert, daß am Ende doch das norwegische Unternehmen mit der besseren Leistungsbilanz dastand.
Von den Besten lernen - und von der Konkurrenz
Benchmarking wurde nicht nur zu Vergleichszwecken erdacht. Die wichtigsten Erkenntnisse gewinnt man nicht durch nebensächliche Zahlenkrämerei. Es ist vielmehr der direkte Vergleich mit dem Besten der Branche oder mit den unmittelbaren Wettbewerbern, die entscheidende Impulse liefern. Was genau macht der Branchenführer besser? Und genau davon müssen wir lernen, um es eines Tages übertreffen zu können.
Besser
als der Beste
Wenn man zwei
Angebote vergleicht, die für ein
Bau-Gewerk eingereicht wurden,
dann erstellt man oft auch noch
das "Optimal-Angebot", das aus
der Summe der jeweils
günstigsten Angebote aller
Positionen besteht. Und oft
genug wird dann auch versucht,
den günstigsten Anbieter auf
dieses fiktive Ideal-Angebot zu
drücken.
Entsprechend
gibt es auch für Wettbewerber
einen "Optimal-Wettbewerber".
Das ist ein fiktives
Unternehmen, das auf allen
Gebieten, von den Finanzen über
Liefertreue bis zum
Innovationstempo, den jeweils
besten Wert der Branche
erreicht. Dieses
Ideal-Unternehmen kommt in der
Realität noch seltener vor, als
auf dem Bau ein Ideal-Angebot
abgegeben wird. (Denn jeder
Wettbewerber braucht langfristig
eine Nische, in der er besser
ist als jeder Andere)
Natürlich
eignet sich ein fiktiver
Wettbewerber schlecht als
Ansporn im Sinne eines
"positiven Feindbildes" für die
eigenen Mitarbeiter. Aber es ist
oft sinnvoll, bei der Analyse
der Wettbewerbsfaktoren diese
"Primus" als Messlatte zu
nehmen.

Das ergibt,
wie in der Abbildung zu sehen,
eine "Primus-Kurve" in einem
Diagramm der
Wettbewerbsfaktoren. Der
Branchendurchschnitt ist durch
den grünen Kreis repräsentiert.
Die guten Noten liegen außen,
die schlechten am Mittelpunkt.
Der Primus entpricht dem
Bestwert aller in Betracht
gezogenen (aber nicht
dargestellten) Wettbewerber. Das
hier analysierte Unternehmen
"Salzinger & Co" (Name geändert)
liegt nur an einer Stelle
(Liefergeschwindigkeit)
außerhalb der Primuskurve, ist
dort also Branchenbester. Dafür
ist das Unternehmen bei
Bekanntheit und F/E-Stärke
schlechter als der
Branchendurchschnitt. Das
ist in der Praxis, auf der
Leinwand in der
Strategiesitzung, weit
verständlicher, als alle
Zahlenfriedhöfe. (Diagramm
erstellt mit
meineZIELE)
Engpässe suchen
In der Praxis drehen sich viele Benchmarks wie so viele andere Instrumente ganz einfach nur um das Ausdünnen der Personaldecke. Dadurch werden die dahinterliegenden Probleme aber eher verschleiert und allenfalls indirekt und unvollkommen durch höheren Rationalisierungsdruck gelöst. Wo die echten Problem liegen, läßt sich wiederum nur durch Analysen im Detail herausfinden und auch wiederum nur durch Beteiligung der Sachkundigen und nicht nur des Managements.